St. Cäcilia
Eine Seite der Pfarrgemeinde NiederzierReligiöses Buch des Monats
von Biergans
.
April.
Auf den Spuren
von Jesus Christus
Cay Rademacher
Ellert & Richter Verlag (2025)
208 Seiten : Illustrationen (überwiegend farbig), Karten
fest geb.
MedienNr.: 623027
ISBN 978-3-8319-0892-9
19,95 € Preis ohne Gewähr
Wenn Cay Rademacher Nazareth beschreibt, den Ort, wo Jesus aufgewachsen ist, wird man mitten in dieses Dorf- und Familienleben hinein entführt. Überhaupt sind die plastischen Beschreibungen Rademachers von Orten, Personen und Zeiten dazu geeignet, Auf den Spuren von Jesus ChristusLesende in die damalige Welt hineinzuziehen. Doch Rademacher beginnt seine Biografie nicht chronologisch – also mit der Geburt oder der Familiengeschichte Jesu – sondern dramatisch: „Pontius Pilatus will kein Risiko eingehen. Die Lage in Jerusalem ist angespannt.“ Diese Dramatik zieht sich durch und wechselt ab mit wissenschaftlichen Zugangsversuchen unterschiedlicher Disziplinen – von der Physik über die Archäologie, die Bibelwissenschaft und Geschichte und was sonst noch helfen kann, den „geheimnisvollen Mann aus Galiläa“ näher zu beleuchten. Wer etwa wissen will, in welcher Jahreszeit Jesus tatsächlich geboren ist, wie kurz und nüchtern die Kreuzigung abgehalten wurde, was überhaupt erst zu Jesu Verhaftung führte und vieles mehr, kommt auf seine Kosten. Neue theologische Erkenntnisse werden hier nicht vorgestellt, aber das ist auch nicht der Anspruch des Buches. Schließlich führt Rademacher Lesende zu dem Phänomen der Auferstehung hin und bespricht diesbezüglich einige Anfragen, aber auch Plausibilitäten. Die besondere Perspektive dieses Buches zielt auf den Kontext, in dem sich die Jesusgeschichte zugetragen hat – zeitlich, örtlich und kulturell. Rom wird als Stadt ohne Religion beschrieben. Und das, obwohl überall im Reich Tempel für die verschiedenen römischen Götter errichtet werden. Aber all das ist nur Fassade bzw. politisch motiviert. In der konkreten Beschreibung der Lebensverhältnisse im römischen Reich spart Rademacher nicht einmal an der Beschreibung der Latrinen und deren Eintrittsgebühren. Und Nazareth wird als Weiler von Bauern und Handwerkern abseits des Geschehens der Zeit und der Handelswege, etwa der zehn Kilometer entfernten Via Maris, beschrieben. Staubige Wege, nicht eine Straße oder ein Platz sind in Nazareth gepflastert. Jesus selbst lebt und arbeitet dort als Baumeister, als „tekton“. Und genau dadurch werden die Menschen dieser Zeit und vor allem auch Jesus selbst nahbar – man kann sich an ihm reiben, sich an ihm stoßen, ihm als Mensch unter Menschen nahekommen. Teilweise liest sich das Buch auch wie ein Politkrimi und zwar dann, wenn die auch aus der Bibel bekannten Figuren wie Pontius Pilatus, Herodes und Kaiphas auftreten. Die im Evangelium beschriebene Tempelreinigung wird als Dreh- und Angelpunkt der Geschehnisse um Jesus in Jerusalem identifiziert. Hier wird die Macht des Hohepriesters angegriffen: „Ohne Händler keine Opfer. Ohne Opfer kein Kult“. Ohne diese Tempelreinigung wäre die Lehre Jesu, so radikal sie war, dem Vergessen anheimgefallen, mutmaßt Rademacher. Rademacher selbst hält fest: „Das Wort und die Welt Jesu: Es ist die Beschreibung einer ungewöhnlichen Zeit, eines außerordentlichen Lebens, einer ebenso tröstlichen wie beunruhigenden Lehre.“ Die Spannung des Buches rührt auch daher, dass sich aus dem Buch auch etwas völlig anders herauslesen lässt: Eine gewöhnliche Zeit wie viele andere Zeiten auch, ein gewöhnliches Leben mit einigen Skurrilitäten und einer dramatischen Wendung, einer tröstlichen Lehre nur für die Armen und Aussätzigen, immerhin beunruhigend für alle. Das Buch ist für alle interessant, die sich in packende Geschichte aus römischer Zeit hineinziehen lassen, immer wieder einmal zurücktreten und beobachten wollen und sich am Schluss mit der Frage konfrontiert sehen: glaube ich das? So kann das Buch sowohl als Grundlage für spannungsreiche Gespräche als auch als Handbuch für Betrachtungen des Lebens Jesu im Exerzitienformat dienen.
Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der St. Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.




