Religiöses Buch des Monats

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September

Jesus nachfolgen

 

Henri J.M. Nouwen

(aus dem Englischen übersetzt von Bernardin Schellenberger)

Neufeld Verlag (2021)

157 Seiten fest geb.

MedienNr.: 606181

ISBN 978-3-86256-162-9

16,90 € Preis ohne Gewähr

 

Am 21. September jährt sich der Todestag von Henri Nouwen bereits zum 25. Mal dennoch sind viele seiner Bücher nach wie vor lieferbar, der zu Lebzeiten sehr bekannte und vielgelesene Autor spiritueller Literatur ist nach wie vor Jesus nachfolgen gefragt und ungebrochen aktuell. Keine Neuauflage, sondern tatsächlich ein neues, also bisher unveröffentlichtes Buch ist das jetzt im Neufeld Verlag erschienene „Jesus nachfolgen“, herausgegeben von Gabrielle Earnshaw. Die langjährige Archivarin des Henri Nouwen Archivs hat dafür sechs Vorträge, die Nouwen 1985 in den USA gehalten hatte, von Tonbändern transkribiert. Nouwen befand sich zu diesem Zeitpunkt vor einer Wegscheide, er war mit seinem Leben trotz seiner sehr erfolgreichen akademischen Karriere als Harvard-Professor unzufrieden und überlegte auch für sich ganz persönlich, was es bedeute, Jesus nachzufolgen – einige Monate später traf er die Entscheidung, seine Professur aufzugeben und als Seelsorger in der Arche-Gemeinschaft in Toronto zu arbeiten, in der Menschen mit und ohne geistige Einschränkungen gemeinsam leben. Die Texte sind also weit davon entfernt, rein theoretische Überlegungen wiederzugeben, sie beziehen sich ganz auf letztlich unausweichliche lebenspraktische Fragestellungen. So beginnt der erste Vortrag auch sehr direkt mit der Frage: „Folgen Sie Jesus nach?“ Dieser herausfordernden Frage folgt aber gleich das Eingeständnis des Autors, das von sich selbst nicht behaupten zu können. Nouwen macht niemandem einen Vorwurf, Jesus nicht oder zumindest nicht entschlossen genug nachzufolgen – er zeigt vielmehr auf, dass unser Leben nur deswegen oft so ermüdend oder langweilig ist, weil wir ihm nicht das richtige Ziel und keine Richtung geben, weshalb er sich darum bemühe, „uns vom rastlosen Herumwandern weg und zum frohen Nachfolgen hin zu führen“. Warum überhören wir aber die Stimme, die uns zur Nachfolge aufruft, so oft? Weil diese Stimme sehr zart und leise ist, denn sie will sich niemandem aufdrängen, „es ist eine Stimme der Liebe, und die Liebe drängt nicht und zieht nicht mit Gewalt“. Nouwen macht darauf aufmerksam, dass der Aufforderung zur Nachfolge zunächst auch eine Einladung vorausgeht: Kommt und seht, antwortet Jesus auf die Frage der ersten Jünger: Wo wohnst du? Wir sind also zunächst eingeladen, „ins Haus Gottes zu kommen“, uns umzusehen und „in der Familie Gottes zu wohnen“. Was uns meist daran hindert, dieser Einladung zu folgen, sind für Henri Nouwen unsere Ängste. Die Angst, etwas zu verlieren, die Angst, zu kurz zu kommen, gegenüber anderen benachteiligt zu sein. Die Aufforderung, Jesus nachzufolgen, fordert darum vor allem dazu auf, die Ängste loszulassen und sich Gott anzuvertrauen. „Im geistlichen Leben geht es nicht darum, etwas aufzugeben, sondern in erster Linie darum, alle Ängste abzustreifen.“ Das ist natürlich nicht leicht, und Nouwen ermutigt darum mehrfach dazu, auf die kleinen Schritte zu vertrauen. Dann kann man sogar Herausforderungen wie die Feindesliebe immer mehr verwirklichen. Nouwen verschweigt nicht, dass ein solches Leben in der Nachfolge Christi allerdings auch „seinen Preis“ hat: Jesus nachzufolgen bedeutet schließlich auch, täglich sein Kreuz auf sich zu nehmen. Das heißt aber nun nicht, dass unser Leben dadurch schwerer und schmerzvoller würde, im Gegenteil: Wir sind eingeladen, unser Leid mit seinem Leid zu verbinden und es dadurch neu zu sehen, als umfangen von Gottes Liebe. Und das führt zu einer tiefen und dauerhaften Freude. Nouwen entwickelt diese Überlegungen in jederzeit gut nachvollziehbarer Weise, seine Sprache ist klar und einfach und vermag nahezu alle Leserinnen und Leser anzusprechen. Auch dieses 25 Jahre nach seinem Tod erschienene Buch wird so zu einem für viele hilfreichen und ermutigenden Vermächtnis des großen geistlichen Autors.

 

 

 

 

 

Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der St. Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.)